Mythen & Fakten

Vom Mythos „Mehr trinken“ und „mehr Ballaststoffen. Richtig oder falsch?

Beinahe jeder Ratgeber gegen Verstopfung hält einen vermeintlich guten Tipp für Betroffene bereit: Einfach mehr trinken! Die Begründung dafür ist so simpel wie einleuchtend: Wo viel reingeht, muss auch viel wieder raus! Betrachtet man aber die Vorgänge im Körper genauer, zeigt sich, wie unbedeutend eine zusätzliche Flüssigkeitsaufnahme von beispielsweise 1 bis 2 Litern für die Verdauung ist. Denn das menschliche Verdauungssystem bewegt Tag für Tag viel größere Flüssigkeitsmengen, nämlich 8 bis 10 Liter. Wissenschaftler haben bislang keinen Beweis dafür gefunden, dass eine Steigerung der Trinkmenge sich günstig auf Verstopfung auswirkt. Wer dem Grundsatz folgt „viel hilft viel“ und anstatt 2 nun täglich 4 Liter trinkt, verdoppelt dadurch lediglich die Urinmenge – das Stuhlvolumen bleibt aber gleich.

Eine ballaststoffreiche Ernährung ist gesund. Ausreichend Ballaststoffe sollten in der täglichen Nahrungszufuhr nicht fehlen. Jedoch lässt sich eine bereits bestehende Obstipation nur sehr selten durch eine weitere Erhöhung der Ballaststoffzufuhr behandeln. Klagen über Blähungen und Völlegefühl reduzieren auch die Compliance. Ältere Patienten mit vielen Medikamenten riskieren sogar eine Reduktion der Resorption der Begleitmedikation bei gleichzeitiger Einnahme von Flohsamen.

Wer weniger trinkt, riskiert, dass die Ballaststoffe eine Verstopfung sogar verstärken.

1,5 bis 2 l Flüssigkeit pro Tag sollten es schon sein, und zwar am besten in Form von Wasser, verdünnten Fruchtsäften oder Kräuter- und Früchtetees. Das weicht den Stuhl auf und bringt den trägen Darm in Schwung.